No. 6, Todos santos in Independencia

 

 

Aussicht aus dem Bus bei der Anreise:

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Bereits ein paar Tage her, aber über Allerheiligen sind wir der Einladung von Schwester Verena gefolgt und haben die Mädels im Centro San Bonifacio in Independencia besucht. Die ca. 6h entfernte Provinzhauptstadt von Ayopaya beherbergt zu Spitzenzeiten knapp 3000 Einwohner und liegt in einem Tal auf ca. 2600m. Mitten in der Natur leben die meisten Menschen hier von der Landwirtschaft und in
spürbar ärmlicheren Verhältnissen. Da Allerheiligen erst am P1050824Sonntag und Montag gefeiert wird, nutzten wir den Samstag für einen Ausflug in die Anden. Leider, bzw. Gott sei Dank, war der für uns vorgesehene Jeep verbucht, sodass wir es uns hinten auf der Bridge eines Anderen bequem machten. Gut geschützt gegen den teils eisigen, teils tropisch warmen Fahrtwind ging es auf Feldwegen mitten durch die Natur, vorbei an kleinen Dörfern die mitten aus dem Nichts auftauchen, durch Wolken und Nebelwälder, Schafherden,  vorbei an Kühen…
bis zu unserem eigentlichen Ziel, der Sodalith Miene.P1050772 In dieser wird noch heute das blauweise Sodalith Gestein abgebaut und in die ganze Welt verschickt. Von der Miene bekommen wir nicht viel zu sehen, dürfen uns jedoch ein kleines Andenken mitnehmen. Getreu dem Motto, der Weg ist das Ziel, geht es weiter bis zu einer genialen Aussichtstelle und wieder zurück zu einem kleinen Wasserfall, an welchem wir auch den 11 Uhr Imbiss zu uns nehmen. Apropos Essen, In Inde zu verhungern ist praktisch unmöglich, von morgens bis abends wird man durchgehend köstlich bekocht!
Auf jeden Fall eine wunderschöne, unvergessliche Exkursion.P1050837
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Am Sonntag dann beginnt das eigentliche Spektakel: Todos Santos, Allerheiligen. Man zieht durch die Straßen auf der Suche nach Häusern mit offenen Türen. Lässt sich dann ein reich gedeckter und dekorierter Tisch erblicken ist man richtig. Es ist Brauch, für den Verstorbenen einen Tisch aufzustellen, auf den dann neben kuriosen Gebäcken alles gelegt werden kann, was dem Verstorbenen gefallen hatte; Wein, Hühnchen, Schnaps, Früchte,… In der Nacht auf den zweiten Tag von Todos Santos kehrt der Tote in die Welt zurück und nimmt sich etwas von seinem Tisch, und es fehlt natürlich tatsächlich immer etwas. Das könnte allerdings auch daran liegen, dass man recht schnell den Überblick verliert, denn für dreimal „Vater Unser“ und drei „Gegrüßet seist du Maria“ beten (bevorzugt auf Deutsch), bekommt jeder einige Gebäcke. Auch wir hatten bereits im Vorhinein für Padre Manfred Rauh an die 300 Brötchen gebacken.
Wer also vorhat, mehr als einmal zu beten, sollte sich mit einer großen Tüte ausrüsten. Und die eigentliche Herausforderung besteht darin, nicht beten zu müssen/dürfen. Denn einmal angefangen, wird man von Tür zu Tür geschickt. Als Alternative zu den Bergen an Gebäcken, wird einem oft auch der Konsum des selbst gebrauten Maisbieres, Chicha, angeboten. Lässt man sich natürlich nicht entgehen, die hellbraune „Brühe“ wird probiert und überrascht uns. Schmeckt besser als erwartet!

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Friedhof in Independencia

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Schlussendlich kehren wir mit gestilltem Durst und randvollen Tüten zum Centro zurück. Um DSC04944am nächsten Tag von vorne zu beginnen. Mittlerweile wurden die Tische aus den Häusern auf den Friedhof befördert mit samt allen Köstlichkeiten. Nun wandert man von Grab zu Grab um erneut zu beten. Ehrlich gesagt hab ich hier
sicherlich so viel „Vater Unser“ und „Gegrüßet seist du Maria“ innerhalb von zwei Tagen gebetet wie in meinen 19 Jahren zuvor. Immer wieder stößt man auf Kindergruppen, die auf Beutezug sind und es schaffen, dreimal so schnell zu beten wie wir.
Wer gestern noch nicht genug von der Chicha abbekommen hat, oder erneut durstig ist, kommt hier wieder auf seine Kosten. Und so erwischt manch Kamerad zu viel und bedarf einiger Hilfe um den Friedhof wieder zu verlassen.
Am Tag nach Todos Santos wird in Indepedencia noch ein weiterer Brauch gefeiert, dass Schaukel. Im Dorf verteilt werden Seilschaukeln in Bäumen aufgehängt. Durch das Schaukeln würden die Seelen P1050973 wieder aus der Welt „gestoßen“ und die Lebensfreude kehre wieder ein. So ist das ganze Dorf am Schaukeln und erneut am Feiern, auch der Restbestand Chicha wird aufgebraucht, obwohl es mir so vorkommt als würde die Chicha hier nicht so schnell ausgehen. Auch wir schaukeln noch eine Runde, bevor wir uns schon wieder verabschieden müssen, dankbar für die schöne Zeit und die vielen Eindrücke. Nachts um Vier geht es schwer beladen mit Brot für eine Monat zurück nach Cochabamba.

 

 

Weitere Eindrücke aus Inde:

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Provinzhauptstadt Independencia

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Große Schaukelaction

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No. 5, Laguna angostura

Gemeinsam mit der Familie des Diakon Jose; Beatriz, Wara, Diego und Pedro, einem guten Freund der Familie, unternahmen wir einen kleinen Ausflug zu dem ca. 1h südöstlich entfernten Stausee, „laguna angostura“.

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Fahrt im Ungewissen

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Die „laguna angostura“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dieser versorgt die umliegende Landwirtschaft mit dem nötigen Nass. Wer jedoch diesmal auf badetauglicheres Gewässer, nicht wie die „laguna alalaya“, hofft, wird erneut enttäuscht. Die Laguna gleicht auf den ersten Blick mehr einer Erdplatte, da das Wasser komplett braun ist. Geschätzte Sicht unter Wasser max. 8,31 cm. Ausnahmsweise hat diese Verschmutzung nicht der Mensch zu verantworten. Schuld sind große Erdmengen die mitgeschwemmt werden und sich nicht absetzen. Wieder nichts mit Baden! Was uns am Schwimmen hindert, scheint den Fischen zu gefallen; zumindest schmecken sie vorzüglich.
Eine kleine Bootstour lassen wir uns natürlich nicht entgehen, und mitunter aufgrund einiger Defizite in der Bedienung zweirudriger Nussschalen entwickelte sich das Ganze zu einem herrlich spaßigen Ausflug, für den wir sehr dankbar sind.

komplette Mannschaft mit Nussschale (hinten links)


No. 4, El cristo de la concordia, la laguna alalay y los bomberos

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Treppe zum Cristo

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Ausblick über Cochabamba, Quillacollo,…

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El cristo de la concordia

Einer unserer ersten Ausflüge führte uns auf angenehme 2,840m zum Wahrzeichen von Cochabamba. Sollte so mancher beim Anblick des „cristo de la concordia“ an Rio de Janeiro denkt, so ist dies durchaus nachvollziehbar, da sich die beiden Statuen nur unmerklich unterscheiden. Auch wenn man sich hier sicher ist, dass der Cristo in Cochabamba natürlich größer sei. Wer weiß… Auf jeden Fall die Mühe wert, die man sich macht, sollte man nicht die Seilbahn nutzen sondern die 270 Höhenmeter zu Fuß zurücklegen.

Nach ein/zwei Verschnaufpausen und viel Flüssigkeitsverlust aufgrund des brutalst brennenden Planeten hier lässt sich dann jedoch eine gigantische Aussicht auf ganz Cochabamba und Umgebung genießen. Genialer 360° Blick und erst jetzt wird einem so richtig bewusst, wie riesig und bewohnt das Cochabambatal ist. Soweit das Auge reicht Häuser, Siedlungen und alles umgeben von den beeindruckenden Anden. Die Krönung des Ganzen ist natürlich, dass der Cristo innen bis zu den Armen begehbar ist und sich so noch einmal die Aussicht upgraden lässt.

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Blick aus dem linken Arm: Cochabamba, Laguna alalaya

 

 

Von Oben lässt sich bereits auch ein Blick auf die „laguna alalay“, einen großen, sagen wir See, in Cochabamba werfen. Dieser begründet auch noch heute die Namensgebung Cochabambas; Cochabamba ist Quechua und heißt so viel wie See-Ebene. Wer da, durchaus nachvollziehbar, Lust auf baden bekommt, hat die Laguna noch nicht aus nächster Nähe gesehen, mal abgesehen von der 100% Sonnenbrandgarantie, aber das schaffen wir auch ohne Baden. Genau betrachtet ist die Laguna ein stark veralgter und vermüllter Tümpel, der jedoch trotzdem seinen Charme mit den Inseln und Enten hat. Es wäre auch durchaus unsinnig die Laguna badetauglich zu machen, da hier nur die Wenigsten schwimmen können.

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Laguna alalaya mit Randgebiet von Cochabamba

 

 

 

 

Auf jeden Fall einen Abstecher wert!
Vor allem, da sich direkt daneben die erschreckend kleine hauptberufliche Feuerwehr stationiert hat. Den Großteil des Feuerwehrdienstes erledigen auch hier freiwillige Feuerwehren, zu denen ich jedoch noch nicht durchgedrungen bin, noch nicht!

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ausgemusterte Fahrzeuge

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Feuerwache „Bomberos de Cochabamba“

No. 3, la cancha

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Blick von Oben auf den östlichen Bruchteil der Cancha

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„Hexenmarkt“ mit Lamaföten

Die eigentliche Bedeutung des Wortes Cancha lautet Spielfeld oder Sportplatz. Allerdings möchte ich an dieser Stelle nicht von meinen Fußballfähigkeiten berichten, des wär schnell gschwätzt.

Aber hier in Cochabamba handelt es sich bei der Cancha ebenfalls um ein gigantisches Marktgelände, Teilweise im Freien oder auch in riesigen Wellblechbauten. Und gigantisch ist fast noch untertrieben. Hier findet man wirklich alles!
IMG_0941 Massenhaft Kleidung und Schuhe, tonnenweise Gemüse und Obst, Fleisch (Von Kuhfüßen über Zungen und Mägen, natürlich Huhn und auch Meerschweinchen), Instrumente, Hygieneartikel, Elektrogeräte aller Art (außer Kaffeemaschinen), Fahrräder, Küchenequipment, Taschen, Stoffe, Friseure, Essensstände, Betten, Schreinereien, Wahrsager, Torten, Schneider,… und auch die mir bereits vielfach versprochenen Lamaföten lassen sich hier erwerben.
Generell gehört der „Hexenmarkt“ zu den interessantesten Abschnitten. Wunderkräuter, die wirklich gruseligen Lamaföten, Weihrauchgemische… auch über
seine Zukunft kann man sich durch Kartenlegen informieren, und darüber verhandeln natürlich auch.
Ein weiterer attraktiver Teil sind die Musikinstrumente und Artefakte. Dort haben wir uns bereits mit Trommel, Gitarre und Flöte sowie einigen Notizbüchern eingedeckt.IMG_0937IMG_0938IMG_0939

 

 

 

 

 

 
Grundsätzlich sollte es möglich sein sich auf der Cancha nur mithilfe seiner Nase zurechtzufinden, da jeder Abschnitt einen charakteristischen Geruch entwickelt hat. Dies ist jedoch nicht ausschließlich positiv zu bewerten. Sich mit labilen Magen in das Fleischabteil zu verirren könnte böse enden!IMG_0930

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Sowieso ein hygienetechnischer Albtraum; Fleisch, Wurst und Käse liegen den ganzen Tag bei angenehmen 30°C auf dem offenen Fliesentisch. Eine wahre Herausforderung stellen die Kuhmägen dar, welche im Freien über den Tag ein nettes Aroma entwickeln. Da vergeht selbst mir die Lust auf saure Kutteln. Und das mit dem Verirren ist relativ einfach. Es existiert zwar eine Ordnung und Eintleilung der Cancha in die verschiedenen Branchen, jedoch ist es enorm schwer sich zurechtzufinden, da alles verwinkelt und voller Menschen ist, von außen mehr oder weniger gleich aussieht und es einfach riesig ist. Problemlos könnte man einen ganzen Tag ohne Langeweile über die Cancha schlendern und immer etwas Neues entdecken. Leider kann ich nicht allzu viele Bilder präsentieren, da es mit Wertsachen immer etwas problematisch ist, wir größere Geldsummen unter der Schuhsohle verwahren und wir nur einmal kurz den Fotoapparat dabei hatten.IMG_0936

 

No. 2

Buenas Días!
Mittlerweile sind wir drei Wochen hier. Wir haben uns gut eingelebt, sind weiterhin top fit, unternehmen selbstständig kleine Ausflüge in der Umgebung, sind bereits Teil der Jugendgruppe der Parroquia und erleben auch sonst recht viel.
So trieb es uns bereits ins Hallen-/Freibad, zu kuriosen Tanzeinlagen, in die Zentren von Quillacollo und Cochabamba, auf die Cancha,…
Auch haben wir bereits die meisten der Projekte hier besucht. Sehr interessantes und umfangreiches Angebot für eine recht kleine Pfarrgemeinde, welche von zwei größeren mehr oder weniger „Konkurrenten“ umgeben ist.
Unser erster großer Auftritt in der Pfarrei war dann auch gleich eine der kuriosen Tanzeinlagen. Mit der Jugendgruppe der Parroqia durften wir den „el mosquetón“ aufführen.
Ich hoffe unsere Vorstellung am Ende des Gottesdienstes am folgenden Tag hat einen weniger verrückten Eindruck hinterlassen.

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Blick auf die Anden

Unsere Pfarrei liegt in Quillacollo, sozusagen die grenzenlos angrenzende Stadt von Cochabamba welches im Cochabambatal liegt.. Das heißt, wir sind umgeben von bis zu 5000m hohen Bergen, welche durchaus auch teilweise mit Schnee bedeckt sind. Auf jeden Fall immer ein beeindruckender und sehr schöner Anblick, der durchaus an den Alpenblick zuhause erinnern kann.

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Unser erster Einkauf für ca. 90ct

Sprachlich lassen sich durchaus Fortschritte verzeichnen. Ich für meinen Teil verstehe von Tag zu Tag mehr, jedoch gestaltet sich das Antworten noch bedeutend schwieriger.
Generell leben wir hier, im Vergleich zum Großteil der Bevölkerung, recht luxuriös. Natürlich gibt es einige Einschränkungen, kalte Dusche etc… aber wir haben eine vernünftige Dusche, ordentliche Betten, recht häufig Internet, Fließenböden,…
Auch unsere Selbstversorgung klappt meist bestens. In den Tiendas (kleine Läden, die es quasi überall an der Straße gibt) kann das Meiste direkt vor der Haustüre erworben werden. Vor allem Gemüse und Obst kaufen wir dort günstig ein. Abgekocht oder geschält bedenkenlos verzehrbar. So kochen und essen wir viel zu viel. Auch wenn die Kässpätzle leider zu Grießspätzle und der Pfannenkuchen zu Waffelkuchen wurde, weil wir mit dem Mehl noch nicht klar kommen, essen wir von regionalen Gerichten (sehr viel Reis/Kartoffel/Huhn) bis zu Spagetti Bolognese sehr gut. Wir sind sogar bereits in die Großproduktion unserer eigenen „Club-Mate“-Limo eingestiegen.

 

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Waldbrand am Stadtrand

Zusatzinformation FFW Horgenzell: Liebe Kammeraden, mios dios, habt die Lage ja bestens im Griff! Weiter so! Hier haben die vergangenen Tage auch ein paar Hektar Wald gebrannt. Hab ja persönlich auf ein Großaufgebot gehofft, die schaffen zwar ordentlich nur leider bekomm ich davon wenig bis nichts mit…

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Fans des Colegio Alemán

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Vorführung einer Marschkapelle

Zusatzinformation MVW: Liebe Blasmusikfreunde in der Heimat, mit euerm Gegenzug könnt ihr hier ganz flott abzischen, die fahren da mal ganz andere Manöver auf. Allerdings geht hier der Fanclub auch mehr ab; Bengalos, Gesänge, Trommel, Fahnen, Konfettikanonen,… Also fleißig weiterüben, der nächste Blutritt kommt bestimmt…

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Micro (links) und Truffi (rechts)

Egal wohin wir gehen, wird von uns generell als Transportmittel das „Truffi“ oder auch der „Micro“ bevorzugt. Äußerst kostengünstig (1-2 Bs., ca. 12-25 €Ct).
Unter Truffi kann man sich einen kleinen, in Deutschland 9 Sitzer, vorstellen, der für den Transport von 20 Personen umgestaltet wurde. Micros sind kleine, bunt bemalte Busse, welche wiederum grob geschätzt bis zu 60 Personen transportieren können. Über den Zustand dieser Geschosse sollte teilweise besser nicht genauer nachgedacht werden. Ach und wer Italiener oder Sigmaringer für außergewöhnliche Verkehrsteilnehmer hält, war noch nicht in Cochabamba. Es scheint, als würde man hier über den eigentlichen Verwendungszweck von Licht-, Hupe und manchmal auch Ampel gekonnt hinwegsehen. Trotzdem macht das Ganze einen verwunderlich sicheren Eindruck und wir steigen meist tiefenentspannt aus. Für mich mit meinen 1,98m kann es zwar ganz schön eng werden, allerdings bin ich das ja bereits aus deutschen Busen/Autos gewohnt.
Interessant (und evtl. aus umwelttechnischen oder anderen Gründen auch sehr sinnvoll) sind die Tafeln neben den Ampeln, welche die Zeit bis zum Umschalten anzeigen. Jedoch führen sie auch dazu, dass generell mehrere Sekunden vor Ablauf gestartet oder nochmal ordentlich auf die Tube gedrückt wird und wehe wer nicht schlagartig beim Umschalten losfährt, den erwartet ein Hupkonzert vom Feinsten.
Man mag die Bolivianer für sehr gelassen und entspannt halten. Dies trifft auch Großteiles zu, jedoch darf man dies nicht mit faul verwechseln. Und muss es mal schnell gehen oder man möchte eine dringende Angelegenheit klären, ist auch mal schnell Schluss mit tranquilo und richtig Alarm! Eigentlich ist hier jeder immer irgendwie beschäftigt. Zumindest in Cocha, vom Rest kann ich noch nicht viel sagen. Fast Alle. Wir haben es nämlich noch recht entspannt, da wir bisher mehr oder weniger nur halbtags arbeiten. Apoyo Escolar (Hausaufgabenbetreuung) und die Adultos Mayores (Seniorinnen Gruppe) zählen bisher zu unseren alltäglichen Aufgaben. Dazu kommen Aushilfsjobs, Wochenenddienste oder auch Abrissarbeiten. So durften wir mit P. Javier eine Mauer einreißen, vermutlich um die Bibliothek zu erweitern, so sicher sind wir uns da jedoch nicht. Egal! Die Mauer ist weg und zumindest einer von uns Freiwilligen hatte Spaß bei dieser netten Abwechslung. Mangels Werkzeug hat das dann auch ganz schön lange gedauert und seine Spuren hinterlassen.

Werkzeug für den Abriss

Werkzeug für den Abriss

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Die Mauer muss weg!

Aber, so wurde uns versprochen, poco a poco soll es auf unserem eigentlichen „Einsatzgebiet“ arbeitstechnisch mehr werden.

Zur Feier des Tages, und es ist immer irgendein besonderer Tag, wird dann erst mal ein Feuerwerk gezündet. Besonders ab ca. 18:30, sobald es hier recht schlagartig dunkel ist, kann man es fast minütig krachen hören. Ihr könnt euch vorstellen was hier am 21.9. los war:
Tag des Arztes, des Schülers, des Frühlings und der Liebe.

Tag des Schülers passt ganz gut. Die Jugendlichen verbringen mehr Zeit in der Schule als ich das von mir persönlich kenne. Auch durch die Hausaufgabenbetreuung und Schulfeste bekommen wir einen kleinen Einblick in das (Grund)Schulwesen hier, welches (soweit ich das beurteilen kann) dem deutschen vom Lerninhalt sehr ähnlich ist. Allerdings verbringen die Schüler mehr Zeit in den Pausen mit sportlichen Aktivitäten oder mit Tanzen an einem der Zahlreichen (innerhalb der letzten zwei Wochen zwei Stück) Schulfesten.

Neben all der Schönheit von Land und Leuten und der Begeisterung, sind allerdings auch einige Kritikpunkte zu vermerken.

Wovon quasi jeder bereits einmal gehört hat und was soweit auch zutrifft, ist die mangelnde Hygiene im privaten als auch im öffentlichen Raum. Das beginnt bereits beim Wasser aus der Leitung, welches voller Keimen und Co. ist. Glasklar aber für uns nur abgekocht genießbar. Die Verkaufswägelchen an der Straße aber auch die Marktstände sind meistens dreckig und es scheint geradezu unmöglich dort etwas hygienisch zu produzieren und zu verkaufen.
Ebenso auf den Straßen; Tonnen an Müll, da einfach Alles an Ort und Stelle durch fallen lassen entsorgt wird. Wir tun uns enorm schwer, nicht auch dieser Angewohnheit zu verfallen, da es nahezu keine öffentlichen Mülleimer gibt. In den Parkanlagen in den Stadtzentren findet man durchaus sogar Mülleimer mit Mülltrennung, jedoch stellt dies die absolute Ausnahme dar. Generell scheint die Regierung bemüht, das Problem in den Griff zu bekommen, das wird jedoch noch dauern. So steht das wegwerfen von Müll auf den öffentlichen Straßen eigentlich auch unter enorm hohen Strafen…P1050398
Auch mussten wir bereits öfters feststellen, dass der Müll hier einfach verbrannt wird. Es gibt zwar so etwas wie eine Müllabfuhr bzw. einen LKW der einmal eindringlich hupt, mitten auf der Straße stehen bleibt und in den dann der Müll geleert werden kann, mehr habe ich bisher zumindest nicht finden können. Im privaten Haushalt gibt es sowieso keine Mülltrennung, egal ob Bio oder Plastik. Apropos Plastik. Alles, ja wirklich alles bekommt man hier in Plastiktüten! Von der Cola (Nein nicht die Flaschen, sondern die Flüssigkeit in der Tüte) bis zu den Eiern und dem Brot. Papiertüten oder ähnliches sind zumindest mir bisher noch nicht begegnet…
Ein weiteres Problem auf den Straßen stellen die unzählbaren Straßenhunde dar, welche das spazieren gehen für uns nicht gerade einfacher machen, da sie es irgendwie besonders auf uns Gringos abgesehen haben. Vor allem bei Dunkelheit werden die Hunde sehr ungemütliche Zeitgenossen. Die ganze Nacht lang gehören die Straßen ihnen und das feiern sie netterweise mit ihrem melodischen Gebelle. Und die Sauberkeit der Straße fördern sie auch nicht unbedingt.

Auch krass ist das Statusdenken vor allem bei den Jugendlichen, jungen Erwachsenen. Top Smartphone, gute Kleidung, etc. stehen bei vielen an vorderster Stelle. So verbringt so mancher Kandidat seine Freizeit ausschließlich mit chatten, Selfies schießen und teilen, während die Kopfhörer generell zur Standard Ausrüstung gehören. Da kommt man sich teilweise fast schon wie daheim vor.
Obwohl sich trotz alledem koordination/klatsch-Spiele wie ich sie noch aus meiner frühen Schulzeit kenne großer Beliebtheit erfreuen.
Generell gibt es auch das krasse Gegenteil; vor allem junge Frauen, die sich traditionell kleiden in Röcken und Blusen sowie das Haar in Zöpfen tragen. Auch die traditionellen Tänze sind vielen bekannt und sehr beliebt, während als Gegenstück ebenso neue Stücke/Tänze wie der oben erwähnte „el mosquetón“ gefeiert werden. Traditionsverbundenheit und Moderne schränken sich hier nicht ein. So verließ letztens auch eine ältere Zeitgenossin in grauem Haar, traditionell gekleidet, den Gottesdienst, nachdem ihr Handy den ganzen Raum beschallt hatte um zu telefonieren. Durchaus amüsant.
Die Gottesdienste sind hier generell etwas freier gestaltet. Es herrscht ein Kommen und Gehen, Kinder laufen durch die Gegend, von draußen hört man die Geräusche der Straße, da die Türe offen bleibt… Trotzdem ist der Ablauf der Messe identisch dem deutschen. Auch scheint der Glauben eine wichtigere Rolle im Leben der Menschen zu spielen als bei vielen Deutschen.

Soweit soll es das doch fürs Erste gewesen sein. Meine Schilderungen sind bitte noch mit Vorsicht zu genießen, immerhin bin ich gerade einmal drei Wochen hier. Viele neue Eindrücke, die sich schnell wieder ändern/korrigieren können. Bei Fragen/Anregungen gerne melden! Vielen Dank fürs Lesen! Viele Grüße aus der Parroquia Cruz Gloriosa,
Vicente

Hallo allerseits

Es freut mich sehr, dass Ihr euch für meinen ersten Bericht, und gerne auch für die folgenden, interessiert! Bevor ich euch meine Eindrücken, Erfahrungen und Erlebnissen während meines Freiwilligendienstes schildre, scheint es mir durchaus vernünftig, mich zu aller erst vorzustellen.
(Wer von sich behaupten kann, bereits einiges über mich zu wissen, kann den folgenden Absatz im Sauseschritt überspringen :D)

Mein Name ist Vinzenz, ich bin 19 Jahre alt und komme aus Ravensburg (Baden-Württemberg). Genau genommen aus einem ca. 50 Seelen-Dorf namens Geratsberg, aber das kennen komischerweise die Meisten nicht. Ich habe dieses Jahr erfolgreich mein Abitur am Technischen Gymnasium in Ravensburg gemacht und habe vor, in naher Zukunft Umwelt und Verfahrenstechnik zu studieren. Dass ich auf dem TG gelandet bin hatte seine Gründe, so möchte ich mich bereits im Voraus für meine legasthenischen Einwürfe entschuldigen. Lo siento mucho.
Meine Freizeit war bisher geprägt von der Mitwirkung im Musikverein sowie der Freiwilligen Feuerwehr und verschiedenen sportlichen Aktivitäten. Vor allem in der Jugendarbeit war ich sehr engagiert sowohl im Musikverein sowie auch in der Feuerwehr. Deshalb freue ich mich sehr darüber, auch hier in Bolivien mit Kindern arbeiten zu dürfen.

Am 1. September gegen zehn Uhr machte ich mich auf den Weg in Richtung Flughafen Frankfurt. Gemeinsam mit Philipp, Adriana und Luzia ging es zum Zwischenstopp nach Madrid. Eine anstrengende Woche lag hinter mir, geprägt von Feiern und Abschied nehmen. Deshalb nahm ich nahezu jede Gelegenheit wahr um eine wenig Schlaf nachzuholen. So verging die Zeit recht schnell, da war Madrid schon wieder Geschichte und Santa Cruz lag vor uns. Das hieß wiederum auch Test número uno für unsere Spanischkenntnisse. Etwas holprig aber erfolgreich mit Visum ging es weiter nach Cochabamba per Inlandsflug. Krasser Übershit wie so mancher sagen würde! Beeindruckend, wie sich innerhalb von Minuten die Landschaft verändert, sich Gebirgsketten auftürmen und die Vegetation sich verändert. Kaum in der Luft, ging es auch schon wieder nach unten und uns bot sich ein gigantisches Bild; Cochabamba aus der Luft. Soweit das Auge reicht scheint alles bewohnt und bebaut in gleichmäßigen Vierteln. Als würde man Memory in XXL spielen. Vom Flughafen ging es dann erst einmal zu CADECA um zu Mittag zu essen, von wo Philipp und ich von Padre Javier abgeholt wurden. Noch freue ich mich darüber, einzelne Gesprächsabschnitte zu verstehen, aber es wird Wort für Wort besser. Alle hier sind sehr freundlich. In der Pfarrei angekommen, bezogen wir unsere Wohnung und der erste Tag war auch schon vorüber.

Danke für´s lesen, hasta pronto!