No. 10, Año nuevo aymara y quechua

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Die Inka verehrten die Sonne, richteten ihren Kalender und ihr Leben nach dieser aus, und brachten ihr Opfer dar. So gibt es zum Beispiel heute noch Sonnentore und Tempel. Auch wurde der Sonnengott „Inti“ verehrt, welcher Vater der ersten Inka sei. Besonders zur Sonnwende am 21. Juni wurde der Sonnenkult zelebriert. Das Neue Jahr begann mit den ersten Sonnenstrahlen am Morgen des 21. Juni des gregorianischen KalendersIMG-20160621-WA0005. So haben auch wir dieses Jahr ein zweites Mal Neujahr gefeiert. Dafür ging es nachts um 4:30 Uhr los. Die Harten feiern natürlich die ganze Nacht durch. Das Ziel liegt auf einem Hügel am Rande Cochabambas. Die „Qollqas“ sind eine Ansammlung kleiner Häuschen, die für diese Nacht von innen beleuchtet sind.20160621_071030 Überall gibt es Lagerfeuer um sich aufzuwärmen und warme Getränke zu kaufen. Nachts wird es mittlerweile nämlich wirklich kalt, meist unter 10°C. Für die Harten wiederum gibt es natürlich auch chicha, Maisbier. Begleitet von einigen Panflötengruppierungen wird so auf den Sonnenaufgang gewartet. Nach und nach versammeln sich immer mehr Menschen, am Ende ist alles20160621_071425 randvoll. Als sich dann pünktlich um 7:10 die Sonne über die Hügel schiebt, streckt Jeder den ersten Sonnenstrahlen des neuen Jahres die Hände entgegen und genießen deren Wärme. Die Panflötengruppen legen erst so richtig los, und den ganzen Tag wird getanzt und gefeiert.

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No. 9, proyecto pollo

Ich möchte euch ein von Philipp und mir ins Leben gerufene Projekt vorstellen: „Proyecto Pollo“, ein Hühnerprojekt.
Hinter dem Pfarrhaus liegt eine ungenützte (zu Regenzeiten) Grünfläche. Generell wird in Bolivien sehr viel Hühnchen und Ei gegessen. Ebenso benötigt die Kinderkrippe häufig Eier. So kamen wir auf die Idee, die ungenutzte Grünfläche zu einem Teil zu nutzen und Gehege für ca. 10 Hennen zu erbauen. Kombiniert mit der Einführung eines Biomülls und eines Komposthaufens. Die Kinder haben einen riesen Spaß mit den Hühnern, wir setzten ein Beispiel für Artgerechte Haltung und Mülltrennung  für Jung und Alt und gleichzeitig gibt es täglich frische Eier für die Kinderkrippe.
Die Pfosten für den Zaun stehen bereits, in Kürze mehr dazu.

No. 8, Allgemeine Situation

Bei all dem Außergewöhnlichen vergisst man völlig, einmal den Alltag und die Arbeit zu schildern. Einige denken sich wahrscheinlich bereits, ob der Kerl eigentlich auch was schafft. Ja, in der Tat bringen wir uns auch sinnvoll in der Pfarrei und deren Aufgabenbereiche ein. Man kann sogar sagen, dass sich seit Januar einiges getan hat. Pünktlich zu unserer „Halbzeit“ in Bolivien bekam auch unsere Arbeit mehr Sinn.
Wir dürfen nun voll in der Guardería, der Kinderkrippe, mitarbeiten. Das heißt, gemeinsam mit den Kindern (1-4 Jahre) und 2 Erzieherinnen frühstücken, zum Spielen auf den Spielplatz gehen, beim „Unterricht“ (basteln, malen, kneten, kleben,…) helfen, spielen und gemeinsam Mittagessen. Im Grunde wie ein Kindergartenerzieher arbeiten.
Nachmittags dürfen wir dann in der Hausaufgabenbetreuung mithelfen. Verantwortlich ist hier der „Profe“, ein junger Lehrer. Hier hat sich seit dem neuen Jahr am meisten verändert. Zuerst erledigen die Kinder ihre Hausaufgaben und wir helfen wo wir können. Nach 1,5 h Hausaufgaben gibt es dann 15 min Pause, in dieser wird meist Fußball gespielt. Im Anschluss an die Pause beginnen die „clases“, sprich der Unterricht. Dafür wurden die Kinder in 3 Gruppen unterteilt. Rotierend passiert jeweils eine Gruppe Musikunterricht von Philipp, Mathe oder Lektüre beim Professor oder Englischunterricht bei mir. Auf mich bezogen heißt das, dass ich nachmittags mit 3-5 Kindern Englischunterricht abhalte. Da die Kinder noch kein Wort Englisch sprechen behandeln wir im Unterricht bisher nur Grundlagen wie Zahlen, Farbe, Tage, Tiere, Familie,…. Auch wenn sich Fortschritte nur schleichend abzeichnen, den Kindern macht es auf jeden Fall sehr viel Spaß und der Start in der Schule wird ihnen auf jeden Fall erleichtert und auch ich bin mehr gefordert. Und bei einem bin ich mir jetzt zumindest 100% sicher, Englischlehrer wird ich gewiss nicht.
Alternativ zur Hausaufgabenbetreuung helfen wir Dienstags immer der Seniorengruppe der Pfarrei; Stühle herumtragen, Getränke kaufen, kochen und backen, häkeln, basteln, Gymnastik, Gesundheitsvorträge auf Ausflügen begleiten und generell wo es geht helfen. Eine äußerst unterhaltsame Gruppe und immer eine nette Abwechslung.

Und ansonsten gilt es dem Padre bei all seinen Einfällen zu helfen. Was wiederum wirklich alles sein kann. Von Wand abreisen, verputzen, streichen, neu verkabeln, Kirche schmücken, eine Gerümpelkammer in die Nächste verlagern, Hecke schneiden, Glühbirnen wechseln, Säcke schleppen, Kreuze und Marienstatuen montieren, imkern, einkaufen zu gehen, Musik im Gottesdienst machen, bei Prozessionen Auto fahren oder auch nur grillen. Keine Angst, der Padre findet schon was.

Noch immer wohnen wir im Pfarrhaus, genau gegenüber von der Kinderkrippe. Unsere Freizeit gestallten wir meist recht ruhig. Neben nerviger und zeitraubender Handwäsche, Abwaschen und Putzen spielen wir viel Gitarre, gehen einkaufen, kochen, häkeln, oder gehen in unserem Viertel spazieren. Oft unternehmen wir am Wochenende etwas mit dem Diakon und dessen Tochter Beatriz.
Was wirklich toll ist, sind die sprachlichen Fortschritte die man bereits gemacht hat und immer noch macht. Mittlerweile verstehe ich einfach so gut wie alles und kann mich super mitteilen. Macht richtig Spaß. Generell macht das Leben hier sehr viel Spaß und ist recht entspannt. Noch immer ist man manchmal verwundert und aufs Neue überrascht, Bolivianer wird man halt nicht in einem Jahr.
Mittlerweile, sowie sich das Ende des Freiwilligendienstes abzeichnet, freut man sich natürlich auch schon sehr darauf wieder nach Hause zu kommen, kann aber die letzten Wochen hier noch so richtig genießen. Man zählt nicht mehr die Wochen, die man bereits da ist, sondern wie Viele man noch hat.

No. 7, Ja, er lebt noch

Herzlich willkommen zurück auf meinem Blog. Ja ich lebe noch und ich weiß, dass ich so grob geschätzt das letzte halbe Jahr zumindest hier nichts von mir hören lassen hab. Dies lag nicht daran, dass es nichts zu berichten gegeben hätte. Eigentlich war hier sogar durchgehend etwas geboten. Wie ich bereits einmal erwähnte, bin ich nicht gerade der geborene Autor also wird daraus wohl trotzdem eher eine Kurzgeschichte, oder auch ein paar mehr.

Beginnen wir also direkt mit:

Weihnachten.

Das Weihnachtsfest an für sich unterscheidet sich grundsätzlich kaum vom Deutschen. Allerdings kommt Weihnachtsstimmung eher spärlich auf. Dies könnte unter anderem an dem hochsommerlichen Wetter ohne Schnee und Eis liegen. Allerdings muss deshalb wohl auch auf wundervolle Weihnachtsmärkte verzichtet werden. Nicht jedoch auf selbst gemachten Glühwein welcher auch bei der restlichen Gemeinde Gefallen fand. An Heiligabend bot sich mir dann dasselbe Bild wie vermutlich den meisten Kirchen Deutschland. Die Kirche war randvoll. Bereits die Tage zuvor hatten wir die musikalische Begleitung einstudiert sowie ein Krippenspiel. Meine Rolle in der Weihnachtsgeschichte war natürlich von vorne herein klar, der Engel. Wer auch sonst. Nachdem auch das Trauerspiel meinerseits überstanden war („No te temas Maria!) gab es noch eine kleine Tanzeinlage. Nach der Messe gab es Kakao für alle, bevor man sich auf den Weg nach Hause begab. Wir durften zum Glück Weihnachten mit der Familie des Diakons feiern, zu zweit wäre das vermutlich doch etwas merkwürdig gewesen. Da es in Bolivien nur einen Weihnachtsfeiertag gibt, verbrachten wir auch den folgenden Tag grillend im Garten des Diakons. Ich wollte schon immer einmal an Weihnachten grillen… echt empfehlenswert, ist super!

Bereits am 26. ging es dann auch schon los auf Reisen zusammen mit Philipp, Luzia und Adriana.

Reisen ist wirklich einfach und funktioniert eigentlich immer gleich. Gereist wird fast ausschließlich mit dem Bus. Viel planen lässt sich meist nicht. Man marschiert einfach in das jeweilige Terminal, welches von einer Straßenecke bis zu einer großen Halle alles sein kann. Bereits beim Eintreten wird man meist von allen Seiten angebrüllt. Kleines Bolivianisches Busterminalbeispiel:„La Paz, la Paz, la Paz“, „Bus cama a Santa Cruz“, „ya sale“, „Oruuuuuuro“, „la Paaaaz“, „Bus leito a Sucre“,…
Entweder man lässt sich bereits jetzt einen Bus aufschwatzen, oder begibt sich zu den kleinen Büros und informiert sich bei den jeweiligen Unternehmen. Zu empfehlen bzw. meist am bequemsten ist eindeutig „Bus cama, 3 filas con baño“ was so viel heißt wie nach hinten klappbare Sitze mit einigermaßen Beinfreiheit, der Nachbar sitzt/schläft nicht direkt auf einem und es gibt theoretisch ein Klo an Bord. Meist reisten wir nachts und schliefen im Bus um Zeit zu sparen. Die Busse legen natürlich immer pünktlich ab und es kommt nahezu nie zu Verspätungen. Was einem natürlich mal passieren kann ist, dass man in einen „Bloqueo“ gerät, eine Straßenblockade. Da wird es dann immer spannend. Entweder man dreht um und fährt zurück oder läuft mit seinem Gerümpel einige Kilometer bis ans andere Ende der Blockade und sucht sich eine neue Mitfahrgelegenheit. Gerne liefern sich die Einheimischen Schlachten mit der Polizei also ist zumindest für Unterhaltung gesorgt. Wenn also der Bus nicht gerade den Geist aufgibt, die Straße befahrbar und nicht gesperrt ist und der Busfahrer genug Coca dabei hat kommt man meist sicher an Ziel.

Etappe Nummer 1: La Paz

Eine äußerst beeindruckende Metropole. Zuerst passiert man El Alto, eine riesige Stadt welche direkt an La Paz angrenzt. El Alto liegt noch auf dem Altiplano, sprich einer enormen andinen Hochebene auf ca. 4100 m. Bereits von weitem lässt sich der schneebedeckte Illimani, ein 6439m hoher Berg, bestaunen. Nachdem man das ärmliche El Alto, welches topfeben daliegt, durchquert hat, beginnt sich die Stadt, nahezu nahtlos, eine riesige Schlucht hinabzuwinden. Dabei handelt es sich bereits um La Paz, den höchsten Regierungssitz weltweit. Während Sucre die Hauptstadt Boliviens ist, spielt sich alles politisch Entscheidende in La Paz ab. Überspannt wird La Paz seit einigen Jahren von einigen Seilbahnen, welche z.B. El Alto und La Paz verbinden und die Verkehrslage entschärfen sollen.
Ich persönlich finde La Paz an für sich ziemlich hässlich mit all den unverputzten Häusern, vollen und vermüllten Straßen. Jedoch äußerst interessant und beeindruckend. Highlight war die Mountainbike Tour camino de la muerte, auch bekannt als Deathroad. Die alte Schotterpiste ins Tiefland wird mittlerweile hauptsächliche von Mountainbikern genutzt. Top organisiert wird man früh morgens in einem Minibus ein Stück außerhalb von La Paz abgesetzt und ausgestattet. Natürlich nur das Beste, meine Schaltung wurde mithilfe von Steinen fixiert aber die braucht ja nun auch wirklich keiner beim Downhill. Schlussendlich ein riesen Spaß in einer genialen Landschaft. Die „Straße“ schlängelt sich die Yungas hinunter in tropisches Gebiet. Vegetation wie Temperatur verändern sich dauerhaft. Die Todesstraße hat ihren Namen übrigens aufgrund der verunglückten Bauarbeitern während der Erbauung erhalten. Dennoch ist nicht zu spaßen und an so mancher Stelle geht es auch mal gut 70 m senkrecht nach unten. Vorbei an Todeskurve und Wasserfall, hier noch schnell ein Foto vom eigenen Kameramann, kurze Mittagspause, sich filmen lassen und schon hat man sein Ziel erreicht, mehr oder weniger lebend.

Bevor es weiterging, verbrachten wir noch Sylvester in La Paz. Beziehungsweise in El Alto um den Ausblick über ganz La Paz und sämtliche Feuerwerke genießen zu können. Sylvester mal anders.

Hier ein paar Eindrücke aus La Paz:

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Etappe Nummer 2: Copacabana und Isla del sol

Von La Paz ging es weiter nach Copacabana und somit auch an den Titicacasee. Dieser muss jedoch zuerst einmal von Passagier und Bus auf abenteuerlichen Flossen überquert werden, um nach Copacabana vorzudringen. Der als weltweit höchstgelegene schiffbare See bekannte Titicacasee ähnelt auf den ersten Blick wirklich einem Meer. Copacabana an für sich ist ein kleines Dörfchen, das fast ausschließlich vom Tourismus lebt. Es gibt haufenweise Souvenirs zu kaufen, Restaurants, Hostal und an jeder Ecke frisch gefangene, leckere Forellen. Für mich das eigentliche Highlight war jedoch die „Isla del sol“, sprich die „Sonneninsel“ im Titicacasee. Viel ruhiger, ursprünglicher und landschaftlich schöner.

Aber seht selbst:

 

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Etappe Nummer 3: Cusco und Machu Picchu

Nach Copacabana ging es auf nach Peru, nach Cusco. Dass hieß für uns auch das erste Mal Grenzübertritt. Und man weiß ja nie. Generell läuft das hier so ab, dass man immer zuerst aus einem Land ausreisen muss bzw. die Erlaubnis zum Ausreisen einholen muss, und anschließend auf der anderen Seite in das andere Land wieder einreisen muss. Das heißt zweimal Papierkram, zweimal Warteschlange, zweimal mies gelaunte Beamte mit dummen Fragen, zweimal Reisepass stempeln. Und da das immer der ganze Bus machen muss, dauert das schon mal über eine gute Stunde. Vor allem wenn, wie in diesem Fall, andauernd der Strom ausfällt. Ein hoch auf Schengen!
Cusco an für sich ist eine wunderschöne Stadt. Recht touristisch, nicht zu groß, sehr sauber und geprägt durch die schönen Ziegeldächer. Rund um die Plaza gibt es viel zu sehen und es ist immer viel los. Da Cusco einst die „Hauptstadt“ der Inka war, lassen sich bereits hier einige Ruinen und Mauern der Inka bestaunen.
Von Cusco aus ging es dann auf nach Machu Picchu. Nach etwas beschwerlicher Anreise ging es in aller Früh um 4:30 los. Sparsam wie immer beschlossen wir, auf eine teure Busfahrt zu verzichten und den „Machu Picchu“, den alten Berg, zu Fuß über unzählige Treppenstufen zu besteigen. Nach einer mehr oder weniger anstrengenden Stunde war das ebenfalls geschafft und wir konnten die Ruinen der alten Inkafestung betreten und bestaunen. Unser Guide, bei dem unschlagbaren Angebot inklusive, stellte sich natürlich als absoluter Lätteschwätzer heraus. Es sei denn, unser Reiseführer lüge… Aber auch so lässt sich die komplette Ruine mit den unzähligen Gebäuden, Abwassersystemen und Treppen auf dem Berggipfel bestaunen und erkunden. Unvorstellbar, mit welchem Aufwand die Festung erbaut wurde, sämtliche Steine stammen aus dem Flussbett im Tal und wurden von den Inka dort grob bearbeitet und anschließend mühevoll auf den Berggipfel befördert. Unvorstellbar. Anschließend wurden die Steine mithilfe von Sand und Kies so zurecht geschliffen, dass sie perfekt aufeinander fielen, lückenlos. Des Weiteren waren die Steine mit Zapfen versehen und so miteinander verbunden. Diese Zapfentechnik garantierte eine enorme Erdbebensicherheit. Nur deshalb können wir noch heute das Weltkulturerbe bestaunen, da Machu Picchu wie auch Cusco in einem sehr erdbebenreichen Gebiet liegen.
Einziger Minuspunkt sind die enormen Menschenmassen die Machu Picchu fluten. Aber ein unvergessliches Erlebnis und sehr eindrucksvoll. Noch toller wurde das ganze natürlich, als ich während einer kurzen Erholungspause zufällig meine Eltern getroffen habe. Passiert, Zufälle gibt’s.

 

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Etappe Nummer 4: Zwischenseminar in Santa Cruz

In einem Busmarathon ging es von Cusco aus nach Cochabamba und direkt wieder weiter nach Santa Cruz zum Zwischenseminar. Santa Cruz, Boliviens größte Stadt mit 1.5 Millionen Einwohnern, liegt im tropischen Tiefland. Daran muss man sich erst mal gewöhnen. Ansonsten gibt es in Santa Cruz selbst nicht allzu viel zu sehen, außer der lebendigen Plaza. Das Seminar, welches wir zusammen mit allen Freiwilligen Südamerikas des BDKJ Bamberg und Würzburg hatten, war eine Klasse Sache. Äußerst motivierend, weiterbildend und informativ. Klasse einen Teil der Freiwilligen aus den Vorbereitungsseminaren wieder zu sehen und sich auszutauschen.

Etappe Nummer 5: elterlicher Besuch

Direkt im Anschluss an das Zwischenseminar, Mitte Januar, kam es dann zum geplanten Zusammentreffen mit meinen Eltern in Cochabamba. Super Sache! Zuerst wurde meine Projektstelle hier in Cochabamba besichtigt. Leider waren gerade Sommerferien, weshalb weder die Kinderkrippe die Hausaufgabenbetreuung noch die Seniorengruppe aktiv waren. Aber auch so war unsern Terminplan voll. Unter anderem wollten wir den Tunari (5000m), den höchsten Berg um Cochabamba besteigen. Ein bisschen wandern. Jedoch schien es für unseren bolivianischen Fahrer mit abenteuerlichem Truffi, der uns nur in Gipfelnähe bringen sollte, überhaupt nicht verständlich, wieso man freiwillig einen Berg hinauflaufen wollen sollte. Deshalb hat uns der gute Mann quasi direkt zum Gipfel gefahren. Wandern mal anders. Schlussendlich haben wir unser eigentliches Ziel, den Tunari, erreicht. Problematisch war nur, dass alle Gipfel dieser Bergreihe Tunari heißen. Also weiß bis heute eigentlich keiner wo genau wir jetzt waren…. Aber bei genialer Aussicht auf Cochabamba ein Paar Condore besichtigen macht auch ohne Anstrengung Spaß.
Anschließend ging es nach Santa Cruz um von dort in den Parque Nacional Amboró zu gelangen. Ein wunderschöner tropischer Nationalpark. Recht alternativ waren wir bei Christopher und seiner Familie untergekommen und unternahmen von dort aus immer Tagesausflüge in den Park. Querbeet ein mit Machete und Proviant zu verborgenen Wasserfällen begleitet von Papageien, Schmetterlingen, Gürteltieren und sogar kleinen Affen. Am besten war jedoch die Früchtevielfalt. Ob Papaya, Avocado, Maracuja, Erdbeeren, Zuckerrohr, Zitronen, Orange,… alles frisch geerntet mit unglaublichem Geschmack. Nach diesem exotischen Abenteuer ging es jedoch auch schon langsam aber sicher dem Ende zu und zurück nach Santa Cruz. Meine Sommerferien gingen zu Ende und für meine Eltern ging es zurück ins winterliche Deutschland.

Leider hab ich ehrlich gesagt kein einziges Bild unserer gemeinsamen Reise… Bei bedarf bitte meine Eltern kontaktieren.

Etappe Nummer 6: Besuch Nummer 2 und der Angriff der Killeramöben

Bereits einen guten Monat später bekam ich erneut Besuch von Linda, Regina, Sarah und Matthias. Abholen konnte ich die Lieben in Santa Cruz noch, das körperliche anwesend sein war dann aber auch schon alles. Wie sich im Nachhinein herausstellte, litt ich bereits an einem miesen Amöben Angriff. Der hat mich mal geschwind komplett ausgeschalten und sogar für 4 Tage auf Station befördert. Amöben sind so mehr oder weniger die Bolivianische Volkskrankheit. Wie Schwester Verena aus Independencia das einmal treffend formulierte, jeder gscheide Bolivianer hat Amöben. Diese fäkaloral übertragenen Mistviecher lauern überall. Weshalb auch so gut wie alle Freiwilligen hier „befallen“ sind. Eigentlich auch nur halb so schlimm diese Parasiten, solange sie halt nicht gerade bis in die Blutbahn vordringen. Naja nach gefühlten 5 Liter Antibiotika Infusion und 4 Tagen Hühnersuppe schien ich geheilt und durfte das Krankenhaus wieder verlassen. Da ich genau über Ostern erkrankt wer, kann ich euch davon leider nichts berichten. Philipp hilft da bestimmt gerne aus.
Noch ein paar Tage auskurieren und wieder zu Kräften kommen dann ging es direkt auf nach Lima. Wieder gemeinsam ging es bis nach Ica, Richtung Süden Perus. Mit Sandboarden, Seegurkenkunde, Baden, Sonnenbrand, Pisco, Seelöwen und Meersesfrüchten konnten wir noch gemeinsam eine tolle Woche erleben. Danke an die Hilton-Crew!

Auch von dieser Woche habe ich nicht ein Foto, ihr wisst ja wen ihr zu fragen habt.

No. 6, Todos santos in Independencia

 

 

Aussicht aus dem Bus bei der Anreise:

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Bereits ein paar Tage her, aber über Allerheiligen sind wir der Einladung von Schwester Verena gefolgt und haben die Mädels im Centro San Bonifacio in Independencia besucht. Die ca. 6h entfernte Provinzhauptstadt von Ayopaya beherbergt zu Spitzenzeiten knapp 3000 Einwohner und liegt in einem Tal auf ca. 2600m. Mitten in der Natur leben die meisten Menschen hier von der Landwirtschaft und in
spürbar ärmlicheren Verhältnissen. Da Allerheiligen erst am P1050824Sonntag und Montag gefeiert wird, nutzten wir den Samstag für einen Ausflug in die Anden. Leider, bzw. Gott sei Dank, war der für uns vorgesehene Jeep verbucht, sodass wir es uns hinten auf der Bridge eines Anderen bequem machten. Gut geschützt gegen den teils eisigen, teils tropisch warmen Fahrtwind ging es auf Feldwegen mitten durch die Natur, vorbei an kleinen Dörfern die mitten aus dem Nichts auftauchen, durch Wolken und Nebelwälder, Schafherden,  vorbei an Kühen…
bis zu unserem eigentlichen Ziel, der Sodalith Miene.P1050772 In dieser wird noch heute das blauweise Sodalith Gestein abgebaut und in die ganze Welt verschickt. Von der Miene bekommen wir nicht viel zu sehen, dürfen uns jedoch ein kleines Andenken mitnehmen. Getreu dem Motto, der Weg ist das Ziel, geht es weiter bis zu einer genialen Aussichtstelle und wieder zurück zu einem kleinen Wasserfall, an welchem wir auch den 11 Uhr Imbiss zu uns nehmen. Apropos Essen, In Inde zu verhungern ist praktisch unmöglich, von morgens bis abends wird man durchgehend köstlich bekocht!
Auf jeden Fall eine wunderschöne, unvergessliche Exkursion.P1050837
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Am Sonntag dann beginnt das eigentliche Spektakel: Todos Santos, Allerheiligen. Man zieht durch die Straßen auf der Suche nach Häusern mit offenen Türen. Lässt sich dann ein reich gedeckter und dekorierter Tisch erblicken ist man richtig. Es ist Brauch, für den Verstorbenen einen Tisch aufzustellen, auf den dann neben kuriosen Gebäcken alles gelegt werden kann, was dem Verstorbenen gefallen hatte; Wein, Hühnchen, Schnaps, Früchte,… In der Nacht auf den zweiten Tag von Todos Santos kehrt der Tote in die Welt zurück und nimmt sich etwas von seinem Tisch, und es fehlt natürlich tatsächlich immer etwas. Das könnte allerdings auch daran liegen, dass man recht schnell den Überblick verliert, denn für dreimal „Vater Unser“ und drei „Gegrüßet seist du Maria“ beten (bevorzugt auf Deutsch), bekommt jeder einige Gebäcke. Auch wir hatten bereits im Vorhinein für Padre Manfred Rauh an die 300 Brötchen gebacken.
Wer also vorhat, mehr als einmal zu beten, sollte sich mit einer großen Tüte ausrüsten. Und die eigentliche Herausforderung besteht darin, nicht beten zu müssen/dürfen. Denn einmal angefangen, wird man von Tür zu Tür geschickt. Als Alternative zu den Bergen an Gebäcken, wird einem oft auch der Konsum des selbst gebrauten Maisbieres, Chicha, angeboten. Lässt man sich natürlich nicht entgehen, die hellbraune „Brühe“ wird probiert und überrascht uns. Schmeckt besser als erwartet!

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Friedhof in Independencia

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Schlussendlich kehren wir mit gestilltem Durst und randvollen Tüten zum Centro zurück. Um DSC04944am nächsten Tag von vorne zu beginnen. Mittlerweile wurden die Tische aus den Häusern auf den Friedhof befördert mit samt allen Köstlichkeiten. Nun wandert man von Grab zu Grab um erneut zu beten. Ehrlich gesagt hab ich hier
sicherlich so viel „Vater Unser“ und „Gegrüßet seist du Maria“ innerhalb von zwei Tagen gebetet wie in meinen 19 Jahren zuvor. Immer wieder stößt man auf Kindergruppen, die auf Beutezug sind und es schaffen, dreimal so schnell zu beten wie wir.
Wer gestern noch nicht genug von der Chicha abbekommen hat, oder erneut durstig ist, kommt hier wieder auf seine Kosten. Und so erwischt manch Kamerad zu viel und bedarf einiger Hilfe um den Friedhof wieder zu verlassen.
Am Tag nach Todos Santos wird in Indepedencia noch ein weiterer Brauch gefeiert, dass Schaukel. Im Dorf verteilt werden Seilschaukeln in Bäumen aufgehängt. Durch das Schaukeln würden die Seelen P1050973 wieder aus der Welt „gestoßen“ und die Lebensfreude kehre wieder ein. So ist das ganze Dorf am Schaukeln und erneut am Feiern, auch der Restbestand Chicha wird aufgebraucht, obwohl es mir so vorkommt als würde die Chicha hier nicht so schnell ausgehen. Auch wir schaukeln noch eine Runde, bevor wir uns schon wieder verabschieden müssen, dankbar für die schöne Zeit und die vielen Eindrücke. Nachts um Vier geht es schwer beladen mit Brot für eine Monat zurück nach Cochabamba.

 

 

Weitere Eindrücke aus Inde:

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Provinzhauptstadt Independencia

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Große Schaukelaction

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No. 5, Laguna angostura

Gemeinsam mit der Familie des Diakon Jose; Beatriz, Wara, Diego und Pedro, einem guten Freund der Familie, unternahmen wir einen kleinen Ausflug zu dem ca. 1h südöstlich entfernten Stausee, „laguna angostura“.

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Fahrt im Ungewissen

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Die „laguna angostura“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dieser versorgt die umliegende Landwirtschaft mit dem nötigen Nass. Wer jedoch diesmal auf badetauglicheres Gewässer, nicht wie die „laguna alalaya“, hofft, wird erneut enttäuscht. Die Laguna gleicht auf den ersten Blick mehr einer Erdplatte, da das Wasser komplett braun ist. Geschätzte Sicht unter Wasser max. 8,31 cm. Ausnahmsweise hat diese Verschmutzung nicht der Mensch zu verantworten. Schuld sind große Erdmengen die mitgeschwemmt werden und sich nicht absetzen. Wieder nichts mit Baden! Was uns am Schwimmen hindert, scheint den Fischen zu gefallen; zumindest schmecken sie vorzüglich.
Eine kleine Bootstour lassen wir uns natürlich nicht entgehen, und mitunter aufgrund einiger Defizite in der Bedienung zweirudriger Nussschalen entwickelte sich das Ganze zu einem herrlich spaßigen Ausflug, für den wir sehr dankbar sind.

komplette Mannschaft mit Nussschale (hinten links)


No. 4, El cristo de la concordia, la laguna alalay y los bomberos

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Treppe zum Cristo

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Ausblick über Cochabamba, Quillacollo,…

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El cristo de la concordia

Einer unserer ersten Ausflüge führte uns auf angenehme 2,840m zum Wahrzeichen von Cochabamba. Sollte so mancher beim Anblick des „cristo de la concordia“ an Rio de Janeiro denkt, so ist dies durchaus nachvollziehbar, da sich die beiden Statuen nur unmerklich unterscheiden. Auch wenn man sich hier sicher ist, dass der Cristo in Cochabamba natürlich größer sei. Wer weiß… Auf jeden Fall die Mühe wert, die man sich macht, sollte man nicht die Seilbahn nutzen sondern die 270 Höhenmeter zu Fuß zurücklegen.

Nach ein/zwei Verschnaufpausen und viel Flüssigkeitsverlust aufgrund des brutalst brennenden Planeten hier lässt sich dann jedoch eine gigantische Aussicht auf ganz Cochabamba und Umgebung genießen. Genialer 360° Blick und erst jetzt wird einem so richtig bewusst, wie riesig und bewohnt das Cochabambatal ist. Soweit das Auge reicht Häuser, Siedlungen und alles umgeben von den beeindruckenden Anden. Die Krönung des Ganzen ist natürlich, dass der Cristo innen bis zu den Armen begehbar ist und sich so noch einmal die Aussicht upgraden lässt.

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Blick aus dem linken Arm: Cochabamba, Laguna alalaya

 

 

Von Oben lässt sich bereits auch ein Blick auf die „laguna alalay“, einen großen, sagen wir See, in Cochabamba werfen. Dieser begründet auch noch heute die Namensgebung Cochabambas; Cochabamba ist Quechua und heißt so viel wie See-Ebene. Wer da, durchaus nachvollziehbar, Lust auf baden bekommt, hat die Laguna noch nicht aus nächster Nähe gesehen, mal abgesehen von der 100% Sonnenbrandgarantie, aber das schaffen wir auch ohne Baden. Genau betrachtet ist die Laguna ein stark veralgter und vermüllter Tümpel, der jedoch trotzdem seinen Charme mit den Inseln und Enten hat. Es wäre auch durchaus unsinnig die Laguna badetauglich zu machen, da hier nur die Wenigsten schwimmen können.

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Laguna alalaya mit Randgebiet von Cochabamba

 

 

 

 

Auf jeden Fall einen Abstecher wert!
Vor allem, da sich direkt daneben die erschreckend kleine hauptberufliche Feuerwehr stationiert hat. Den Großteil des Feuerwehrdienstes erledigen auch hier freiwillige Feuerwehren, zu denen ich jedoch noch nicht durchgedrungen bin, noch nicht!

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ausgemusterte Fahrzeuge

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Feuerwache „Bomberos de Cochabamba“

No. 3, la cancha

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Blick von Oben auf den östlichen Bruchteil der Cancha

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„Hexenmarkt“ mit Lamaföten

Die eigentliche Bedeutung des Wortes Cancha lautet Spielfeld oder Sportplatz. Allerdings möchte ich an dieser Stelle nicht von meinen Fußballfähigkeiten berichten, des wär schnell gschwätzt.

Aber hier in Cochabamba handelt es sich bei der Cancha ebenfalls um ein gigantisches Marktgelände, Teilweise im Freien oder auch in riesigen Wellblechbauten. Und gigantisch ist fast noch untertrieben. Hier findet man wirklich alles!
IMG_0941 Massenhaft Kleidung und Schuhe, tonnenweise Gemüse und Obst, Fleisch (Von Kuhfüßen über Zungen und Mägen, natürlich Huhn und auch Meerschweinchen), Instrumente, Hygieneartikel, Elektrogeräte aller Art (außer Kaffeemaschinen), Fahrräder, Küchenequipment, Taschen, Stoffe, Friseure, Essensstände, Betten, Schreinereien, Wahrsager, Torten, Schneider,… und auch die mir bereits vielfach versprochenen Lamaföten lassen sich hier erwerben.
Generell gehört der „Hexenmarkt“ zu den interessantesten Abschnitten. Wunderkräuter, die wirklich gruseligen Lamaföten, Weihrauchgemische… auch über
seine Zukunft kann man sich durch Kartenlegen informieren, und darüber verhandeln natürlich auch.
Ein weiterer attraktiver Teil sind die Musikinstrumente und Artefakte. Dort haben wir uns bereits mit Trommel, Gitarre und Flöte sowie einigen Notizbüchern eingedeckt.IMG_0937IMG_0938IMG_0939

 

 

 

 

 

 
Grundsätzlich sollte es möglich sein sich auf der Cancha nur mithilfe seiner Nase zurechtzufinden, da jeder Abschnitt einen charakteristischen Geruch entwickelt hat. Dies ist jedoch nicht ausschließlich positiv zu bewerten. Sich mit labilen Magen in das Fleischabteil zu verirren könnte böse enden!IMG_0930

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Sowieso ein hygienetechnischer Albtraum; Fleisch, Wurst und Käse liegen den ganzen Tag bei angenehmen 30°C auf dem offenen Fliesentisch. Eine wahre Herausforderung stellen die Kuhmägen dar, welche im Freien über den Tag ein nettes Aroma entwickeln. Da vergeht selbst mir die Lust auf saure Kutteln. Und das mit dem Verirren ist relativ einfach. Es existiert zwar eine Ordnung und Eintleilung der Cancha in die verschiedenen Branchen, jedoch ist es enorm schwer sich zurechtzufinden, da alles verwinkelt und voller Menschen ist, von außen mehr oder weniger gleich aussieht und es einfach riesig ist. Problemlos könnte man einen ganzen Tag ohne Langeweile über die Cancha schlendern und immer etwas Neues entdecken. Leider kann ich nicht allzu viele Bilder präsentieren, da es mit Wertsachen immer etwas problematisch ist, wir größere Geldsummen unter der Schuhsohle verwahren und wir nur einmal kurz den Fotoapparat dabei hatten.IMG_0936

 

No. 2

Buenas Días!
Mittlerweile sind wir drei Wochen hier. Wir haben uns gut eingelebt, sind weiterhin top fit, unternehmen selbstständig kleine Ausflüge in der Umgebung, sind bereits Teil der Jugendgruppe der Parroquia und erleben auch sonst recht viel.
So trieb es uns bereits ins Hallen-/Freibad, zu kuriosen Tanzeinlagen, in die Zentren von Quillacollo und Cochabamba, auf die Cancha,…
Auch haben wir bereits die meisten der Projekte hier besucht. Sehr interessantes und umfangreiches Angebot für eine recht kleine Pfarrgemeinde, welche von zwei größeren mehr oder weniger „Konkurrenten“ umgeben ist.
Unser erster großer Auftritt in der Pfarrei war dann auch gleich eine der kuriosen Tanzeinlagen. Mit der Jugendgruppe der Parroqia durften wir den „el mosquetón“ aufführen.
Ich hoffe unsere Vorstellung am Ende des Gottesdienstes am folgenden Tag hat einen weniger verrückten Eindruck hinterlassen.

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Blick auf die Anden

Unsere Pfarrei liegt in Quillacollo, sozusagen die grenzenlos angrenzende Stadt von Cochabamba welches im Cochabambatal liegt.. Das heißt, wir sind umgeben von bis zu 5000m hohen Bergen, welche durchaus auch teilweise mit Schnee bedeckt sind. Auf jeden Fall immer ein beeindruckender und sehr schöner Anblick, der durchaus an den Alpenblick zuhause erinnern kann.

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Unser erster Einkauf für ca. 90ct

Sprachlich lassen sich durchaus Fortschritte verzeichnen. Ich für meinen Teil verstehe von Tag zu Tag mehr, jedoch gestaltet sich das Antworten noch bedeutend schwieriger.
Generell leben wir hier, im Vergleich zum Großteil der Bevölkerung, recht luxuriös. Natürlich gibt es einige Einschränkungen, kalte Dusche etc… aber wir haben eine vernünftige Dusche, ordentliche Betten, recht häufig Internet, Fließenböden,…
Auch unsere Selbstversorgung klappt meist bestens. In den Tiendas (kleine Läden, die es quasi überall an der Straße gibt) kann das Meiste direkt vor der Haustüre erworben werden. Vor allem Gemüse und Obst kaufen wir dort günstig ein. Abgekocht oder geschält bedenkenlos verzehrbar. So kochen und essen wir viel zu viel. Auch wenn die Kässpätzle leider zu Grießspätzle und der Pfannenkuchen zu Waffelkuchen wurde, weil wir mit dem Mehl noch nicht klar kommen, essen wir von regionalen Gerichten (sehr viel Reis/Kartoffel/Huhn) bis zu Spagetti Bolognese sehr gut. Wir sind sogar bereits in die Großproduktion unserer eigenen „Club-Mate“-Limo eingestiegen.

 

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Waldbrand am Stadtrand

Zusatzinformation FFW Horgenzell: Liebe Kammeraden, mios dios, habt die Lage ja bestens im Griff! Weiter so! Hier haben die vergangenen Tage auch ein paar Hektar Wald gebrannt. Hab ja persönlich auf ein Großaufgebot gehofft, die schaffen zwar ordentlich nur leider bekomm ich davon wenig bis nichts mit…

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Fans des Colegio Alemán

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Vorführung einer Marschkapelle

Zusatzinformation MVW: Liebe Blasmusikfreunde in der Heimat, mit euerm Gegenzug könnt ihr hier ganz flott abzischen, die fahren da mal ganz andere Manöver auf. Allerdings geht hier der Fanclub auch mehr ab; Bengalos, Gesänge, Trommel, Fahnen, Konfettikanonen,… Also fleißig weiterüben, der nächste Blutritt kommt bestimmt…

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Micro (links) und Truffi (rechts)

Egal wohin wir gehen, wird von uns generell als Transportmittel das „Truffi“ oder auch der „Micro“ bevorzugt. Äußerst kostengünstig (1-2 Bs., ca. 12-25 €Ct).
Unter Truffi kann man sich einen kleinen, in Deutschland 9 Sitzer, vorstellen, der für den Transport von 20 Personen umgestaltet wurde. Micros sind kleine, bunt bemalte Busse, welche wiederum grob geschätzt bis zu 60 Personen transportieren können. Über den Zustand dieser Geschosse sollte teilweise besser nicht genauer nachgedacht werden. Ach und wer Italiener oder Sigmaringer für außergewöhnliche Verkehrsteilnehmer hält, war noch nicht in Cochabamba. Es scheint, als würde man hier über den eigentlichen Verwendungszweck von Licht-, Hupe und manchmal auch Ampel gekonnt hinwegsehen. Trotzdem macht das Ganze einen verwunderlich sicheren Eindruck und wir steigen meist tiefenentspannt aus. Für mich mit meinen 1,98m kann es zwar ganz schön eng werden, allerdings bin ich das ja bereits aus deutschen Busen/Autos gewohnt.
Interessant (und evtl. aus umwelttechnischen oder anderen Gründen auch sehr sinnvoll) sind die Tafeln neben den Ampeln, welche die Zeit bis zum Umschalten anzeigen. Jedoch führen sie auch dazu, dass generell mehrere Sekunden vor Ablauf gestartet oder nochmal ordentlich auf die Tube gedrückt wird und wehe wer nicht schlagartig beim Umschalten losfährt, den erwartet ein Hupkonzert vom Feinsten.
Man mag die Bolivianer für sehr gelassen und entspannt halten. Dies trifft auch Großteiles zu, jedoch darf man dies nicht mit faul verwechseln. Und muss es mal schnell gehen oder man möchte eine dringende Angelegenheit klären, ist auch mal schnell Schluss mit tranquilo und richtig Alarm! Eigentlich ist hier jeder immer irgendwie beschäftigt. Zumindest in Cocha, vom Rest kann ich noch nicht viel sagen. Fast Alle. Wir haben es nämlich noch recht entspannt, da wir bisher mehr oder weniger nur halbtags arbeiten. Apoyo Escolar (Hausaufgabenbetreuung) und die Adultos Mayores (Seniorinnen Gruppe) zählen bisher zu unseren alltäglichen Aufgaben. Dazu kommen Aushilfsjobs, Wochenenddienste oder auch Abrissarbeiten. So durften wir mit P. Javier eine Mauer einreißen, vermutlich um die Bibliothek zu erweitern, so sicher sind wir uns da jedoch nicht. Egal! Die Mauer ist weg und zumindest einer von uns Freiwilligen hatte Spaß bei dieser netten Abwechslung. Mangels Werkzeug hat das dann auch ganz schön lange gedauert und seine Spuren hinterlassen.

Werkzeug für den Abriss

Werkzeug für den Abriss

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Die Mauer muss weg!

Aber, so wurde uns versprochen, poco a poco soll es auf unserem eigentlichen „Einsatzgebiet“ arbeitstechnisch mehr werden.

Zur Feier des Tages, und es ist immer irgendein besonderer Tag, wird dann erst mal ein Feuerwerk gezündet. Besonders ab ca. 18:30, sobald es hier recht schlagartig dunkel ist, kann man es fast minütig krachen hören. Ihr könnt euch vorstellen was hier am 21.9. los war:
Tag des Arztes, des Schülers, des Frühlings und der Liebe.

Tag des Schülers passt ganz gut. Die Jugendlichen verbringen mehr Zeit in der Schule als ich das von mir persönlich kenne. Auch durch die Hausaufgabenbetreuung und Schulfeste bekommen wir einen kleinen Einblick in das (Grund)Schulwesen hier, welches (soweit ich das beurteilen kann) dem deutschen vom Lerninhalt sehr ähnlich ist. Allerdings verbringen die Schüler mehr Zeit in den Pausen mit sportlichen Aktivitäten oder mit Tanzen an einem der Zahlreichen (innerhalb der letzten zwei Wochen zwei Stück) Schulfesten.

Neben all der Schönheit von Land und Leuten und der Begeisterung, sind allerdings auch einige Kritikpunkte zu vermerken.

Wovon quasi jeder bereits einmal gehört hat und was soweit auch zutrifft, ist die mangelnde Hygiene im privaten als auch im öffentlichen Raum. Das beginnt bereits beim Wasser aus der Leitung, welches voller Keimen und Co. ist. Glasklar aber für uns nur abgekocht genießbar. Die Verkaufswägelchen an der Straße aber auch die Marktstände sind meistens dreckig und es scheint geradezu unmöglich dort etwas hygienisch zu produzieren und zu verkaufen.
Ebenso auf den Straßen; Tonnen an Müll, da einfach Alles an Ort und Stelle durch fallen lassen entsorgt wird. Wir tun uns enorm schwer, nicht auch dieser Angewohnheit zu verfallen, da es nahezu keine öffentlichen Mülleimer gibt. In den Parkanlagen in den Stadtzentren findet man durchaus sogar Mülleimer mit Mülltrennung, jedoch stellt dies die absolute Ausnahme dar. Generell scheint die Regierung bemüht, das Problem in den Griff zu bekommen, das wird jedoch noch dauern. So steht das wegwerfen von Müll auf den öffentlichen Straßen eigentlich auch unter enorm hohen Strafen…P1050398
Auch mussten wir bereits öfters feststellen, dass der Müll hier einfach verbrannt wird. Es gibt zwar so etwas wie eine Müllabfuhr bzw. einen LKW der einmal eindringlich hupt, mitten auf der Straße stehen bleibt und in den dann der Müll geleert werden kann, mehr habe ich bisher zumindest nicht finden können. Im privaten Haushalt gibt es sowieso keine Mülltrennung, egal ob Bio oder Plastik. Apropos Plastik. Alles, ja wirklich alles bekommt man hier in Plastiktüten! Von der Cola (Nein nicht die Flaschen, sondern die Flüssigkeit in der Tüte) bis zu den Eiern und dem Brot. Papiertüten oder ähnliches sind zumindest mir bisher noch nicht begegnet…
Ein weiteres Problem auf den Straßen stellen die unzählbaren Straßenhunde dar, welche das spazieren gehen für uns nicht gerade einfacher machen, da sie es irgendwie besonders auf uns Gringos abgesehen haben. Vor allem bei Dunkelheit werden die Hunde sehr ungemütliche Zeitgenossen. Die ganze Nacht lang gehören die Straßen ihnen und das feiern sie netterweise mit ihrem melodischen Gebelle. Und die Sauberkeit der Straße fördern sie auch nicht unbedingt.

Auch krass ist das Statusdenken vor allem bei den Jugendlichen, jungen Erwachsenen. Top Smartphone, gute Kleidung, etc. stehen bei vielen an vorderster Stelle. So verbringt so mancher Kandidat seine Freizeit ausschließlich mit chatten, Selfies schießen und teilen, während die Kopfhörer generell zur Standard Ausrüstung gehören. Da kommt man sich teilweise fast schon wie daheim vor.
Obwohl sich trotz alledem koordination/klatsch-Spiele wie ich sie noch aus meiner frühen Schulzeit kenne großer Beliebtheit erfreuen.
Generell gibt es auch das krasse Gegenteil; vor allem junge Frauen, die sich traditionell kleiden in Röcken und Blusen sowie das Haar in Zöpfen tragen. Auch die traditionellen Tänze sind vielen bekannt und sehr beliebt, während als Gegenstück ebenso neue Stücke/Tänze wie der oben erwähnte „el mosquetón“ gefeiert werden. Traditionsverbundenheit und Moderne schränken sich hier nicht ein. So verließ letztens auch eine ältere Zeitgenossin in grauem Haar, traditionell gekleidet, den Gottesdienst, nachdem ihr Handy den ganzen Raum beschallt hatte um zu telefonieren. Durchaus amüsant.
Die Gottesdienste sind hier generell etwas freier gestaltet. Es herrscht ein Kommen und Gehen, Kinder laufen durch die Gegend, von draußen hört man die Geräusche der Straße, da die Türe offen bleibt… Trotzdem ist der Ablauf der Messe identisch dem deutschen. Auch scheint der Glauben eine wichtigere Rolle im Leben der Menschen zu spielen als bei vielen Deutschen.

Soweit soll es das doch fürs Erste gewesen sein. Meine Schilderungen sind bitte noch mit Vorsicht zu genießen, immerhin bin ich gerade einmal drei Wochen hier. Viele neue Eindrücke, die sich schnell wieder ändern/korrigieren können. Bei Fragen/Anregungen gerne melden! Vielen Dank fürs Lesen! Viele Grüße aus der Parroquia Cruz Gloriosa,
Vicente

Hallo allerseits

Es freut mich sehr, dass Ihr euch für meinen ersten Bericht, und gerne auch für die folgenden, interessiert! Bevor ich euch meine Eindrücken, Erfahrungen und Erlebnissen während meines Freiwilligendienstes schildre, scheint es mir durchaus vernünftig, mich zu aller erst vorzustellen.
(Wer von sich behaupten kann, bereits einiges über mich zu wissen, kann den folgenden Absatz im Sauseschritt überspringen :D)

Mein Name ist Vinzenz, ich bin 19 Jahre alt und komme aus Ravensburg (Baden-Württemberg). Genau genommen aus einem ca. 50 Seelen-Dorf namens Geratsberg, aber das kennen komischerweise die Meisten nicht. Ich habe dieses Jahr erfolgreich mein Abitur am Technischen Gymnasium in Ravensburg gemacht und habe vor, in naher Zukunft Umwelt und Verfahrenstechnik zu studieren. Dass ich auf dem TG gelandet bin hatte seine Gründe, so möchte ich mich bereits im Voraus für meine legasthenischen Einwürfe entschuldigen. Lo siento mucho.
Meine Freizeit war bisher geprägt von der Mitwirkung im Musikverein sowie der Freiwilligen Feuerwehr und verschiedenen sportlichen Aktivitäten. Vor allem in der Jugendarbeit war ich sehr engagiert sowohl im Musikverein sowie auch in der Feuerwehr. Deshalb freue ich mich sehr darüber, auch hier in Bolivien mit Kindern arbeiten zu dürfen.

Am 1. September gegen zehn Uhr machte ich mich auf den Weg in Richtung Flughafen Frankfurt. Gemeinsam mit Philipp, Adriana und Luzia ging es zum Zwischenstopp nach Madrid. Eine anstrengende Woche lag hinter mir, geprägt von Feiern und Abschied nehmen. Deshalb nahm ich nahezu jede Gelegenheit wahr um eine wenig Schlaf nachzuholen. So verging die Zeit recht schnell, da war Madrid schon wieder Geschichte und Santa Cruz lag vor uns. Das hieß wiederum auch Test número uno für unsere Spanischkenntnisse. Etwas holprig aber erfolgreich mit Visum ging es weiter nach Cochabamba per Inlandsflug. Krasser Übershit wie so mancher sagen würde! Beeindruckend, wie sich innerhalb von Minuten die Landschaft verändert, sich Gebirgsketten auftürmen und die Vegetation sich verändert. Kaum in der Luft, ging es auch schon wieder nach unten und uns bot sich ein gigantisches Bild; Cochabamba aus der Luft. Soweit das Auge reicht scheint alles bewohnt und bebaut in gleichmäßigen Vierteln. Als würde man Memory in XXL spielen. Vom Flughafen ging es dann erst einmal zu CADECA um zu Mittag zu essen, von wo Philipp und ich von Padre Javier abgeholt wurden. Noch freue ich mich darüber, einzelne Gesprächsabschnitte zu verstehen, aber es wird Wort für Wort besser. Alle hier sind sehr freundlich. In der Pfarrei angekommen, bezogen wir unsere Wohnung und der erste Tag war auch schon vorüber.

Danke für´s lesen, hasta pronto!